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Landesverband für Straffälligen- und Bewährungshilfe Sachsen-Anhalt e.V.

Landesprojekt Täter -Opfer - Ausgleich (TOA)

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Hinweis: Diese Website befindet sich im Umbau. Wir sind bald im neuen Design für Sie da. Vielen Dank für Ihr Verständnis!

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Der Gefangenenchor der Justizvollzugsanstalt Dessau-Roßlau, Außenstelle Magdeburg

Der Gefangenenchor der Justizvollzugsanstalt Dessau, Außenstelle Magdeburg
2005 wurde auf Initiative der Geschäftsführerin des Landesverbandes, Frau Delia Göttke, und mit großer Unterstützung des Vollzugsleiters der JVA Magdeburg, Herr Rüdiger Richter, Gründungsmitglied des Landesverbandes, langjähriges Vorstandsmitglied des Vereins „ Freie Straffälligenhilfe“ in Naumburg, seit 2005 Vorstandsmitglied des Landesverbandes, der Versuch eines kultur-politischen Projektes in der JVA Magdeburg gestartet. In die Planung und Umsetzung dieses Vorhabens wurden innerhalb der JVA die Gefängnisseelsorger, einzelne Bedienstete und der gewählte Häftlingsbeirat einbezogen. 

Neben den sportlichen Initiativen und Aktivitäten sollte ein Kulturangebot unterbreitet werden das Inhaftierte ansprach, die aktiv an ihrer Persönlichkeit und ihrer bestehenden Lebenssituation bereits unter Haftbedingungen etwas verändern wollten. 

Das lern-pädagogische Konzept beinhaltete Ziele wie das Erlernen von Akzeptanz bei Beibehaltung eigener Souveränität, der Umgang mit Toleranz und Grenzsetzung in demokratischen Gefügen, Gedächtnistraining, Stärkung des Selbstbewusstseins, Erkennen von Diskrepanzen der Eigen- und Fremdwahrnehmung.

Resozialisierungsziele waren integrative Konzepte, beginnend in der Haft, über die Entlassungsvorbereitung, und der begleitetenden Resozialisierung nach der Haft. Dies erfolgte über persönliche Patenschaften Ehrenamtlicher.

An der Universität konnte mit Unterstützung der Dekanin ein Student gefunden werden der sich bereiterklärte, ehrenamtlich als Chorleiter diese Aufgabe zu übernehmen. Voraussetzung für seine Bereitschaft war die zugesagte ehrenamtliche Mitarbeit der Geschäftsführerin, im Chor selbst mitzusingen. Damit konnte die kultur-fachliche Arbeit und die sozial-psychologische Arbeit gut gemeistert werden. Die Auswahl und Gewinnung der Chormitglieder lag in der Verantwortung der Leitung der JVA. 

Im Zeitraum von 2005 bis 2010 wurde durch eine wöchentliche Chorarbeit von zwei Stunden ausgelotet, in welcher Art und Weise und in welchem Umfang sich Inhaftierte unter Vollzugsbedingungen auf eine gestaltete Chorarbeit einlassen. Dabei war es in den ersten beiden Jahren von besonderer Bedeutung, dass diese Terminkette nicht unterbrochen wurde. Das bedeutet für die beteiligten drei Ehrenamtlichen, auch in ihrer Urlaubszeit an den Chorproben teilzunehmen. 2007 gab es eine erste Chorpause von 4 Wochen, nachdem eine innere Stabilisierung unter den Chormitgliedern stattgefunden hatte. In dieser Zeit trafen und übten die Chormitglieder selbstständig. Die dafür notwendigen Rahmenbedingungen wurden in Verantwortung des Vollzugsleiters geschaffen.

Die pädagogischen Ziele dieses Chorprojektes wurden immer wieder überprüft und auf ihren Stand hin aktualisiert. Die Arbeit an den Sozialkompetenzen, der eigenen Befähigung zur Kommunikation, des Trainings zur Ein- und Unterordnung sowie der Arbeit an Akzeptanz von Autorität bei der Beibehaltung der eigenen Autonomie.

Im Zeitraum des Bestehens war die Höchstzahl der Chormitglieder 15. Die geringste Teilnehmerzahl drei. Insgesamt waren in den fünf Jahren 87 ehemals Inhaftierte Mitglieder im Chor.

In dieser Zeit wurden vorbereitende Entlassungen und nachsorgende Betreuung durch den Landesverband realisiert. Für alle Chormitglieder fand eine intensive begleitende Familienarbeit während ihrer Inhaftierung statt. Die Familienmitglieder wurden zu allen Auftritten eingeladen und eine jährliche Weihnachtsfeier fand mit allen nahen Verwandten wie Großeltern, Eltern und Kindern statt.

Bis heute ist bei allen Inhaftierten, auch bei denen, die eine sehr schwierige Sozialprognose hatten, kein Rückfall zu verzeichnen. Sie führen bis heute nicht nur ein straffreies, sondern auch ein wirtschaftlich und sozial - selbstbestimmtes Leben.

Unterstützt wurde dieses Projekt von der Universität Magdeburg, die zu diesem Zweck aus der Studentenschaft einen sehr engagierten Chorleiter empfahl. Herr Jens Klimek, ist heute Lehrer am Hegelgymnasium in Magdeburg und ehrenamtliches Mitglied im Landesverband.

Herr Rüdiger Richter unterstützte als Vollzugsleiter der JVA Magdeburg dieses Projekt und engagierte sich über den gesamten Zeitraum immer wieder für die Rekrutierung Inhaftierter für die Chorarbeit. In fachlicher Abwägung und im Interesse der Entwicklung der Projektarbeit und jedes einzelnen Chormitgliedes, verantwortete er Chorauftritte auch außerhalb der JVA. Das große Interesse in der Bevölkerung an diesen Ereignissen beförderte ein nachhaltig positives Verständnis zu unseren Resozialisierungsbemühungen. Herr Richter ist heute Vollzugsleiter der JVA Dessau und bemüht sich in der JVA Dessau um den Aufbau eines ähnlichen Projektangebotes für die Inhaftierten. 

Außergewöhnlich aktiv engagierten sich im Ehrenamt die Studentinnen Frau Melanie Kaulisch und Frau Katja Wegner. Ebenso die Geschäftsführerin des Landesverbandes, Frau Delia Göttke, die immer wieder betonte, dass sie nur dann legitimiert für das Ehrenamt werben kann, wenn sie sich selbst auch ehrenamtlich engagiert. Eines ihrer ehrenamtlichen Wirkungsfelder war der Chor der JVA. Ihm und seinen Mitgliedern waren alle Ehrenamtlichen in aller Leidenschaft, Professionalität und Herzlichkeit verbunden, sowohl in Vorbereitung auf die Chorproben, aber auch bei der gleichgestellten Aufstellung im Sinne der musikalischen Mitwirkung.

Durch die Umstrukturierung des Justizvollzuges konnten unter den bestehenden Rahmenbedingungen der JVA Magdeburg das Projekt nicht mehr weitergeführt werden und wurde im Dezember 2010, nach einem letzten öffentlichen Auftritt, beendet.
Im Ergebnis dieses Projektes sehen wir die Bestätigung, dass sich Menschen ändern und verändern, wenn wir ihnen dafür Gelegenheit, Angebote und eine Chance geben. 


Referenzen:

Veranstaltung „Musik hinter Gittern“ - Internationale Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation (jährlich),
(Mehr unter: www.internationalestiftung.de/Musikhintergittern.htm
Auftritt bei der Malgalerie in der JVA Magdeburg (jährlich)
Auftritte zu Weihnachten und Familientagen in der JVA Magdeburg
Auftritt in der Staatskanzlei Magdeburg (2009)
Auftritt im Kloster in Halberstadt (April 2010)


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